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Sed-Cards, how to do ?

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Sed-Cards, auch Compcards, sind das wichtigste Werbemittel, das Fotomodellen zur Anpreisung ihrer Tätigkeit zur Verfügung steht.

Der Name geht zurück auf die britische Agentur Parker-Sed, deren Inhaber Sebastian Sed in den 60er Jahren die Karten erfunden hat, um ein standardisiertes Mittel zur Modelauswahl zu erhalten. Die Agentur operierte als eine der ersten weltweit mit Filialen unter anderem in Hamburg und New York

Sed-Cards sind heute in allen Agenturen weltweit das Organisations- und Arbeitsmittel der Wahl.

Eine Sed-Card hat immer ein Format von DIN A5 (148x210 mm) oder dem US-Format "US-Statement/Half" ( 5.5" x 8.5"/139,7x 215,9 mm). Generell ist es sinnvoll sich dem Format des Produktionsgebietes anzupassen, Drucker sind dann etwas billiger als bei dem jeweiligen anderen Format.

Sed-Cards haben auf der Vorderseite fast immer ein einzelnes Foto, das bei guten Sed-Cards auch formatfüllend ist. Sinnvollerweise ist dies ein Portrait mit Augenkontakt, das Model sollte dafür also direkt in die Kamera schauen.

Die Sed-Cards stehen in fast allen Agenturen auf Regalen nebeneinander und untereinander, ganze Wände sind mit Sed-Cards ausgefüllt. Sowohl die Booker der Agentur als auch die buchenden Fotografen und Agenturen haben selten viel Zeit zum Selektieren. Sicher werden niemals alle Karten angefasst. Für jede Produktion gibt es bestimmte Vorgaben, z.B. Haarfarbe. Wenn Rot gefragt ist, fallen alle anderen ohnehin raus. Haarfarben sollten also gut zu erkennen sein, wenn es eine farbige Karte wird. Nur in Ausnahmefällen wie besonders guten Beinen oder Händen, zeigt man die separat. Wobei gutes Bein Definitionssache ist. Die meisten Strumpfmodelle empfinde ich persönlich als entsetzliche Hungerhaken, aber für den Zweck sind lange dürre Beine unersetzlich. Wer mal Fotos von Strümpfen gemacht hat, wird das verstehen.

Wenn es diese Besonderheiten nicht gibt, dann sollte auf das Deckblatt immer ein möglichst formatfüllendes Portrait. Dazu den Namen des Modells entweder in Schwarz auf eine helle Stelle des Bildes oder Negativ-Weiss in dunkle Bildteile. Farbige Hervorhebungen lenken vom Bild ab und verhindern Augenkontakt, klares K.O.-Kriterium.

Das Deckblatt ist der Punkt, wo es um Buchung oder Nichtbuchung geht. Wenn ich in eine Agentur reinkomme, scanne ich die Regale ab, einige fallen mir auf, die nehme ich dann heraus, andere werden mir von den Bookern als Tagesgericht vorgelegt, entweder aus persönlichen Seilschaften oder weil die Models Erfahrung benötigen, zu kleineren Preisen arbeiten weil sie Muster für eine Sed-Card oder das Buch benötigen, oder weil sie tatsächlich in das Anforderungsprofil passen. In genau dieser Reihenfolge. Der Augenkontakt und die Sympathie beim Betrachten des Deckblatts ist Kern- und Angelpunkt für die Entscheidung die Karte eventuell näher zu betrachten. Auch die Agenturbooker kennen lange nicht alle Models persönlich, für sie gilt genau wie für die auswählenden Fotografen und Werbeagenturen die persönliche Sympathie als ausschlaggebend.

Sed-Cards sind entweder einfache Karten von etwa 280 gr./qm, oder Klappkarten die ein oder zweimal ausgeklappt werden. Je dicker, desto teurer. Die Titelseite oder bei Klappkarten die Aussenseite ist oft farbig gedruckt, das muss aber nicht sein. Aus Kostengründen ist die Innenseite fast immer Schwarzweiss gedruckt. Wer hier auch Farbe reinballert, ist entweder sauteuer oder strunzt zuviel. Oder er/sie kann nicht rechnen. Teure Karten erneuert man nicht sehr häufig, sie sind oft veraltet. Also auch eher ein K.O.-Kriterium. Man sollte mindestens 1000 Stück Startauflage drucken, an Agenturen schickt man immer gleich mehrere Exemplare, für Fotografen reichen 2 Stück. Wenn den Agenturen die Karten ausgehen (die kommen ja selten zurück) machen die oft von der letzten (wenn es die noch gibt) Fotokopien. Was das für die Marktchancen bedeutet, muss ich wohl nicht extra erklären.

Gute Karten sind UV-lackiert (Hochglanz, nicht zu verwechseln mit Drucklack) oder cellophaniert. Cellophanierung ist die höherwertige Sache, Schwärzen im Druck kommen bei weitem satter als bei unkaschiertem Druck, die Karte schubbert auch nicht so schnell ab. Wenn die Entscheidung offen ist, entweder eine Doppelkarte zum Klappen zu machen, oder eine einfache Karte mit Cellophanierung, dann würde ich immer die cellophanierte Karte wählen.

Auf der Rückseite oder Innenseite sind auch die Daten des Modells zu finden. Dazu gehören auf jeden Fall Körpergrösse, Oberweite, Taille, Hüfte, bei Ladies auch BH-Grösse (Unterbrustweite/Cup), Konfektionsgrösse, Schuhgrösse, Kopfweite (für Hüte), Augenfarbe, Haarfarbe. Zumindest die Haarfarbe sollte über die Laufzeit der Karte dann auch gleich bleiben, oder man sollte "ständig wechselnd" in die Karte schreiben. Alle Angaben macht man sowohl in Deutsch / Zentimeter als auch in Englisch / Zoll. Schuhgrössen/Konfektionen sind dann auch in US-Grössen anzugeben. Man lässt einen freien Bereich auf der Rückseite, in die die Agentur oder das Modell einen Aufkleber mit Kontaktadresse kleben kann. Agenturen hassen es, wenn schon jemand anders draufsteht, und wenn es nur das Modell selbst ist. Also macht man das variabel. Dann kann man auch mal umziehen, ohne alle Karten neu drucken zu müssen.

Rückseite und gegebenenfalls Innenseite enthalten weitere Fotos, die möglichst viele Varianten zeigen sollen. Das kann Abendgarderobe sein, sportliche Aktivitäten zeigen, "Familienleben" zeigen (Eltern sind selten zu kriegen !) Spass, Lifestyle, Wut, etc. zeigen. Je mehr verschiedene Stimmungen zu sehen sind, um so flexibler ist das Modell in der Regel. Wenn ich eine Sed-Card mit immer der gleichen Gesichtslähmung in der Hand habe, dann weiss ich wen ich nicht buche. Bei Damen ist ein Bild im Badeanzug, Bikini oder in Wäsche sicher nicht schlecht. Bei Herren tut es auch die Calvin Klein Unterhose.

Die Sed-Cards müssen dann aber auch ihren Weg zum potentiellen Kunden finden. Das kann man per Post machen, geht aber auch persönlich viel besser wenn möglich. Bei den meisten Agenturen und Fotografen kann man nach kurzfristiger Voranmeldung kurz vorbeischauen und eine Karte abgeben, manche bitten um Zusendung. Nicht zuviel reden, ein persönlicher Eindruck reicht meist. Wer zuviel Sitzfleisch hat, hält den Betrieb auf. Und Besetzungscouch sollte man tunlichst vermeiden. Führt zu nix. Ausser zu Präsidentensex. Und ob das so gut ist....

Man kann Adressen aus dem Internet beziehen, aus dem Art Buyers Handbook, Adressenlisten beim AWI, dem BFF, den Arbeitsämtern (Künstlerdienste) beziehen. Red Box und Art Directors Index oder die dreimonatlich erscheinende Select sind ebenfalls gute Quellen. Wer in der Select inseriert, hat zumindest vierstelliges Geld für die Anzeigenseite flüssig, das heisst er/sie ist sicher auch nicht schlecht im Geschäft. Wenn man die alle angeschrieben oder besucht hat, sind die 1000 Karten schnell weg, und reichlich Porto hat man auch verbraten. Dann sollten schon ab und an Aufträge kommen. Wenn man damit einiges verdient hat, sollte man die nächste Karte bauen. Diesmal mit einem oder zwei gedruckten Mustern aus den Arbeiten, die man zuletzt gemacht hat auf der Rück- oder Innenseite.



Produktion der Karte:


Jeder einigermassen vernünftig ausgestattete PC oder Mac mit einem guten Scanner und einem brauchbaren DTP-Programm wie Corel, Pagemaker oder Quark Xpress taugen dafür. Ich mache das in Photoshop oder Corel 9. Man muss allerdings die Daten anschliessend auch zum Belichter bringen können, das erfordert dann einen CD-Brenner oder einen mit dem Dienstleister kompatiblen Wechseldatenträger. Regulär ausbelichten für Offsetdruck, 60er Raster, und dann drucken. Ganz einfach.



Modelbooks


Modelbooks sind die ausführlichere Version einer Sed-Card. Sie enthalten im Wesentlichen die gleichen Fotos wie die Sed-Card, aber alle in einem möglichst einheitlichen Format. Dazu kommen "Tear-Sheets", Ausrisse aus Zeitungen mit gedruckten Arbeitsergebnissen. Tear-Sheets beweisen, dass man für professionelle Produktionen gebucht wird und dass diese Sachen auch erfolgreich gedruckt werden. Sie sind quasi das Diplom für ein Modell.
Books werden oft im Format 24x32 verwendet. Meist sind es Multiringbücher von Hansa (Press Book Prat) oder Panodia mit wechselbaren Einlegern. Bilder werden entweder als Vollformatvergrösserungen 24x30 oder als 18x24 Prints, aufgezogen auf 24x30 Kartons eingelegt. Dazu kommen Ausrisse aus Zeitungen mit einigermassen aktuellen gedruckten Arbeiten.


Billiger geht es mit sogenannten Zeigebüchern z.B. von Durable, in die je 10, 20 oder 40 Hüllen im Format DIN A4 fest eingeschweisst sind.


Diese kurze Anleitung ist sicher nicht vollständig, aber sie gibt eine gute Idee davon, was nöltig ist für Book und Sed-Card. Wer weitergehende Fragen hat, kann mich gerne kontaktieren.




© Michael Quack.


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